Stattler, Herbert: Spitzenwaren. Ein Album 1900-1954
Herbert Stattler sondiert mit 38 Zeichnungen eine Geschichte, die andere und weitere Historien umfasst. Es geht um die Biografie einer Stuttgarter Firma, die Spitzen fertigen ließ und vertrieben hat. Auf deren Archiv stützen sich Stattlers Zeichnungen, die ein Kaleidoskop aus Zeitsplittern offerieren, das zugleich Textil-, Technik-, Kultur- und Konsumgeschichte sichtbar macht. Weil es um die Geschichte von Handarbeiten geht, befasst sich Stattlers Zyklus nicht nur mit deren Techniken, sondern auch mit den Produktionsbedingungen weiblicher Heimarbeit. Damit ragt in das Album die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der ersten Jahrhunderthälfte hinein: der Erste Weltkrieg, die Turbulenzen der Weimarer Republik, die Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg. Allerdings weist die Produktion von Spitzen mehr als rein materielle und zeitgeschichtliche Dimensionen auf. In deren Mustern schlägt sich auch ein gutes Stück der älteren wie jüngeren Kunstgeschichte nieder. Zu beobachten ist der Werdegang des Ornaments von seinem Aufstieg in der Renaissance, seiner Abwertung als bloßem Dekor, ja als Verbrechen bei Adolf Loos, bis zu seiner Emanzipation als einer ästhetischen Praxis autonomer Formfindung.
dt., Offsetdruck, Hardcover Zwillingsband mit Prägung, 168 S., 24 x 34 cm, Leipzig, 2025, Spector Books
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