Schäpers, Veronika: 2^11 // grain morning raccoon peace job barrel hamster nature exercise unable fire crush image patrol pony aerobic key pet ship squeeze bargain move again ability
Wie bei allen meinen Projekten ist auch in 211 der Ausgangspunkt ein literarischer Text. Eine kurze japanische
Geschichte, die mich vor über zehn Jahren so faszinierte, dass ich sie für ein Künstlerbuch verwenden und dafür
auch ins Deutsche übersetzen lassen wollte. Leider wurden mir die Rechte verweigert.
Im Sommer 2022 sortierte ich mein Archiv und stieß dabei wieder auf die umfangreichen Vorarbeiten zu dem
Projekt, das mich immer noch faszinierte und gleichzeitig den Ehrgeiz in mir weckte, die nie erteilte
Druckerlaubnis zu umgehen. Ich begann mit verschiedenen Versuchen, den Text so zu bearbeiten, dass ein
lesbares Ergebnis entsteht, ohne jedoch das Copyright zu verletzen, und entschied mich am Ende dazu, den
Text professionell verschlüsseln zu lassen. Jörn Müller-Quade, Professor für Kryptologie am Karlsruher Institut
für Technologie, führte dieses für mich durch. Der japanische Originaltext und seine englische Übersetzung
durchliefen dabei einen umfangreichen Prozess.
Das Ergebnis ist eine lange Folge einzelner Begriffe. Sie sind in dem Buch in einer Monospace-Schrift gedruckt
und haben keinerlei Bezug zueinander. Gerade dadurch üben sie eine große Anziehungskraft aus und setzen
beim Leser oder Betrachter eine Reihe von Assoziationen und Anregungen frei.
Das Gleiche gilt für die Illustrationen, zehn Collagen aus kleinen oder größeren Objekten, die alle in dem
Originaltext beschrieben werden. Sie sind ein möglichst originalgetreues Abbild dessen, was ich mir bei der
Lektüre vorgestellt habe. Die verschiedenen Objekte wurden von Blaffert/Wamhof fotografiert und von mir, ohne
die Proportionen zu berücksichtigen, auf das gleiche Format skaliert - ähnlich der nichtproportionalen
Monospace-Schrift – sowie anschließend zerlegt und collagiert. Es lassen sich wie bei dem verschlüsselten Text
einzelne Elemente lesen, manchmal ergeben sich auch ungewöhnlicheund anregende Kombinationen, ohne
dabei jedoch die ursprüngliche Geschichte erkennen zu lassen.
Ein dritter Abschnitt befasst sich mit Farben, die im Ursprungstext genannt werden. Zwanzig Farbtöne sind als
einzelne Streifen auf vier Seiten verteilt gedruckt, auch hier handelt es sich um die Schattierung, die ich mir bei
der Lektüre vorgestellt habe. Wie bei den Objekten geben sie mein subjektives Empfinden wieder.
Alle drei Bestandteile, Illustration, Text und Farbstreifen, sind auf verschiedene japanische Papiere gedruckt, die
dem unterschiedlichen Charakter der Drucke am besten entsprechen. Das Buch ist in einen halbtransparenten
Einband mit einer verschlüsselten Prägung des Autors und Titels gebunden. Geschützt wird das Buch von einem
ebenfalls halbtransparenten Umschlag mit Teilen einer Raumansicht in Zweipunktperspektive, gezeichnet von
Anja Grunwald. Auch dieser stellt einen Bezug zu der Geschichte her, wie die Illustrationen und Farben wiederum
einen sehr subjektiven.
Der Prozess des Verschlüsselns und Dekonstruierens spiegelt sich in dem Puzzleschuber wider. Ein dreiteiliges
Gebilde, das von Magneten zusammengehalten wird und in zerlegtem Zustand verwirrend wirkt. Anstelle des
sehr langen verschlüsselten Titels ist die Ziffer 211 aufgeprägt, die die Anzahl der Begriffe in der Liste beziffert, mit
dem der verschlüsselte Binärcode in einzelne Worte übersetzt wurde.
Das Buch soll als eigenständiges, vom Original losgelöstes Projekt bestehen und zum Nachdenken über
Wahrnehmung, Begrifflichkeit und Interpretation anregen. Der Ursprungstext dient nur als ein Ausgangspunkt,
aus dem etwas Neues entsteht, und spielt für das Buch 211 keine Rolle mehr.
Buchdruck von Polymerklischees auf Toshabangenshi- Ganpipapier, Bicchu-Ganpipapier und M41-Mitsumatapapier, Einband aus Kozopapier und Enduro Ice-Papier mit TitelprägungDreiteiliger Puzzleschuber mit Titelprägung, 58 S., 22 x 35 cm, Aufl. 25, num., sign., Karlsruhe, 2023
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